CORRECTIV.Sunlight – Transparenz als Tarnung
- Moritz Jacoby

- 11. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Wer dieser Tage durch seinen Facebook-Feed scrollt, stößt früher oder später auf eine gut gemeinte Empfehlung: CORRECTIV braucht Geld, CORRECTIV prüft Kandidaten, CORRECTIV kämpft für Transparenz. Darunter ein Spendenaufruf, ein anständig klingendes Versprechen und das wohlige Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Menschen, die das teilen, meinen es ernst. Das ist das Perfide daran.
CORRECTIV hat verstanden, was moderne politische Intervention braucht: einen moralischen Schutzmantel. Keine Partei, kein Manifest, kein allzu offenes Bekenntnis – stattdessen Gemeinnützigkeit, Transparenzsiegel, Demokratie beschützend und die Sprache des besorgten Bürgers. Wer Betrüger sichtbar machen will, bevor sie an die Macht kommen, kann schlecht ein schlechter Mensch sein. Das Konstrukt ist so gebaut, dass Kritik daran automatisch als Verteidigung von Lügnern und Titelerschleichern wirkt. Cleverer lässt sich eine politische Operation kaum tarnen.
Was dahintersteckt, ist keine investigative Redaktion im klassischen Sinne, sondern ein Netzwerk mit klaren ideologischen Gravitationszentren, internationalen Geldgebern, die nationale Demokratien nach ihrem Bild formen wollen, und einer Veröffentlichungsgeschichte, die jeden Zweifel an der vorgeblichen Überparteilichkeit im Keim erstickt. Wer das durchschaut, wird nicht zum Verschwörungstheoretiker. Er liest nur, was CORRECTIV selbst über sich verrät – und zieht die naheliegenden Schlüsse.

Die Frage, die sich dabei stellt, ist simpel: Warum hat diese Organisation in den vergangenen Jahren ausschließlich über rechte und rechtskonservative Netzwerke berichtet? Nicht über linksextreme Strukturen, nicht über die Verflechtungen von grünen Spitzenfunktionären mit NGO-Milieus, nicht über die finanzielle Abhängigkeit der SPD von Gewerkschaftsapparaten. Die Antwort darauf ist keine Verschwörungstheorie – sie steckt in den Zahlen, den Förderern und den Personalentscheidungen der Organisation selbst.
CORRECTIV wird unter anderem von der Open Society Foundations finanziert, dem Netzwerk von George Soros, das weltweit Projekte unterstützt, die nationale Souveränität als Bedrohung betrachten, unkontrollierte Migration als politisches Ziel verfolgen und jeden demokratischen Widerspruch dagegen als reaktionär oder extremistisch diskreditieren. Dazu kommen die Luminate Foundation, die Google News Initiative und staatliche Mittel aus Bundes- und Landeskassen. Das nennt sich dann „unabhängiger Journalismus". Eine Redakteurin wechselte 2024 direkt ins Wahlkampfteam der Grünen. In einer echten Nachrichtenredaktion - also eine des echten und wahren Qualitäts-Journalismus - wäre das ein handfester Skandal. Bei CORRECTIV war es nur eine Randnotiz.
Das Sunlight-Projekt soll jetzt Kandidaten überprüfen – Lebensläufe, Titel, Positionen. Klingt vernünftig. Ist es aber nicht, sobald man die Selektionsmechanismen betrachtet. CORRECTIV selbst räumt ein, nicht alle Kandidaten prüfen zu können und nach „Relevanz und Reichweite" auszuwählen. Wer entscheidet, was relevant ist? Eine Redaktion, deren Veröffentlichungsgeschichte klar zeigt, wo ihre Prioritäten liegen. Kandidaten der AfD oder der Werteunion werden mit Sicherheit als „relevant" eingestuft. Ob ein Grünen-Bewerber mit geschöntem Lebenslauf oder ein SPD-Kandidat mit zweifelhaften Nebentätigkeiten dasselbe Interesse erfährt, darf man ernsthaft bezweifeln.
Das Potsdamer Lehrstück
Der „Geheimplan"-Artikel von Januar 2024 zeigt, wie CORRECTIV arbeitet. Die Organisation berichtete über ein privates Treffen, konstruierte daraus einen „Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger" – eine Formulierung, die das Landgericht Berlin im März 2026 als unwahre Tatsachenbehauptung einstufte und untersagte. Hunderttausende gingen auf die Straße, mobilisiert durch eine Behauptung, die juristisch nicht haltbar war. CORRECTIV bekam dafür einen Journalistenpreis. Das sagt alles über das Milieu, in dem diese Organisation operiert, und über die Maßstäbe, nach denen dort Qualität gemessen wird.
Das ist kein Einzelfall. Mehrere Gerichte haben CORRECTIV-Formulierungen als falsche Tatsachenbehauptungen untersagt. Die Organisation korrigierte, relativierte, zog weiter – aber der politische Schaden war bereits wie geplant angerichtet. Demonstrationen, Stimmungsmache, Medienecho. Der Zweck war erfüllt, bevor irgendein Richter das Wort ergriff.
Kampf gegen Rechts bedeutet Kampf gegen alle
Der Begriff „Kampf gegen Rechts" funktioniert in diesem Zusammenhang als politisches Tarnmittel. Er suggeriert, es gehe um den Kampf gegen echten Extremismus. Tatsächlich umfasst er in der Praxis alles, was dem rot-grün-woken Establishment als unbequem gilt: Migrationskritik, Skepsis gegenüber Gender-Ideologie, Widerstand gegen Deindustrialisierung, der Wunsch nach einer kontrollierten Grenze. Wer das vertritt, ist in diesem Weltbild bereits verdächtig. AfD-Wähler sind keine Randerscheinung, sondern repräsentieren Millionen von Menschen mit legitimen politischen Positionen.
Projekte wie Sunlight behandeln diese Wählerschaft und ihre gewählten Vertreter nicht als politische Kraft, mit der man sich inhaltlich auseinandersetzen müsste, sondern als Sicherheitsrisiko, das pseudo-journalistisch neutralisiert werden soll – finanziert aus Spendengeldern und staatlichen Töpfen.
Dahinter steckt ein Gesellschaftsbild, das mit Demokratie im klassischen Sinne wenig zu tun hat. Demokratie bedeutet, dass der Wähler entscheidet – nicht eine gemeinnützige GmbH mit internationalen Geldgebern, die vorab festlegt, welche Kandidaten einer besonderen Überprüfung würdig sind und welche nicht. Wer Sunlight unterstützt, finanziert keine Transparenz. Er finanziert Selektion. Gelenkte Aufmerksamkeit. Politisch motivierte Recherche im Gewand des Gemeinwohls.
Transparenz wäre es, wenn CORRECTIV dieselbe Energie auf Netzwerke der Linkspartei verwendete, auf grüne Lobbystrukturen, auf die Verbindungen zwischen SPD-Politikern und Stiftungsgeldern, auf Verpfechtungen des eigenen Milieus mit Antisemiten, Demokratiegegnern und Terror-Organisationen. Das passiert nicht und wird nicht passieren – weil es nie darum ging.
Es geht darum, das politische Feld vor Wahlen zu vermessen, unliebsame Kandidaten unter Druck zu setzen und den Eindruck zu erzeugen, nur das eigene Lager stehe für Rechtsstaatlichkeit und Anstand. Das ist kein Journalismus. Das ist Kulturkampf mit Spendenquittung.



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